Zucker

Analyse belegt: Zucker ist so gesundheitsgefährdend wie Nikotin und Alkohol

Grundlage für diese Aussage ist eine Studie, die die Forscher zu den „Auswirkungen von Zuckerkonsum“ an Mäusen durchführten. Die Resultate veröffentlichten sie im Fachjournal „Cancer Research“.

Etwa 30 Prozent der Versuchstiere der Kontrollgruppe entwickelten nach sechs Kalendermonaten Brustkrebs. Gaben die Wissenschaftler den Tieren aber Zucker, stieg die Krebsrate auf 60 % an. Die Ursache dafür könne darin befinden, dass Zucker bestimmte Entzündungsprozesse im Körper fördern, mutmaßen die Wissenschaftler. Zudem erhöhe hoher Verbrauch an Fruchtzucker (Fructose) die Wahrscheinlichkeit für Metastasen in der Lunge. Die Ärzte folgerten hieraus, dass ein moderater Zuckerverbrauch von entscheidender Bedeutung für den Kampf gegen Krebs sei.



Die Neuropharmakologin Margaret Morris, von der University of New South Wales in Australien, ließ ihre Versuchstiere (Ratten) eine Woche lang nur essen, was eine durchschnittliche Cafeteria im Produktangebot hat. Croissants und Donuts, Käsestangen und Sandwiches, alles ziemlich zucker- und fettreich.  Nach einer Woche sollten die Versuchstiere einige Denkaufgaben lösen. Da begannen die Schwierigkeiten.

Sobald sich die Versuchstiere mit dem Cafeteria-Futter vollgefressen hatten, bekamen sie die Aufgabenstellung, Orte wiederzuerkennen oder Gegenstände zu finden, die von Morris und ihren Kollegen an anderen Stellen aufgebaut wurden. Ratten sind wahre Orientierungskünstler und es sollte hier unter Beweis gestellt werden. Dieses mal gelang es ihnen nicht.

Nachdem ihre Gehirne untersucht wurden, wurden starke Entzündungen im Hippocampus gefunden, also genau in jenem Hirnareal, das beim örtlichen Erinnern eine wesentliche Rolle spielt. Morris vermutete, dass das am Zucker lag.

Der Zuckerkonsum eines Erwachsenen beträgt in Deutschland und den USA etwa 100 Gramm Zucker pro Tag, in Australien und Brasilien etwa 160 und in Kuba sogar gut 200 Gramm. Viele Völker auf der Erde essen zu viel Süßes. Das liegt einerseits daran, dass Gluckose ein enormes Abhängigkeitspotenzial hat. Und zum anderen daran, dass die Lebensmittelindustrie genau das Potenzial geschickt zu nutzen weiß.



Simin Liu,amerikanisch-griechische Epidemiologe, von der Harvard School of Public Health hat Daten über Krankenstand und Essgewohnheiten untersucht, die zwischen 1909 und 1997 in USA gesammelt wurden. Je höher der Zuckeranteil in der Ernährung desto höher auch die Zahl der Diabetesfälle. Wobei der Anteil der Fette und Eiweiße bei dieser Ernährungsweise keine Rolle für das Diabetesrisiko spielt.

Nach der Aufnahme von Süßem kommt es zur Ausschüttung von Dopamin, das für eine kurzfristige Befriedigung sorgt, aber bald von einem Suchtgefühl nach noch mehr Zucker abgelöst wird. Der Adipositasforscher Robert Lustig von der University of California vergleicht Zucker aus diesem Grund mit Nikotin und anderen Suchtmittel: Wir können nicht genug davon bekommen. Wenn man Laborratten erst mit zuckerhaltiger Kost füttert und auf einen Schlag damit aufhört, zeigen sie Symptome wie beim Entzug von Rauschgift.

Zucker hat die Eigenschaft appetithemmende  Stoffe, wie z.B. Bitteres, zu überlagern. Alles wird genießbar, wenn man genug Zucker drüberstreut, sagt Lustig. Wer ein Nahrungsmittel verkaufen will, muss es nur mit Glukose anreichern. In der Lebensmittelindustrie ist diese Eigenschaft natürlich nicht unbekannt. Nicht nur Süßspeisen wie Marmelade oder Nusscreme, auch Würste, Soßen, Räucherlachs, Käsecremes oder Salzstangen werden ordentlich gezuckert. Selbst in vermeintlich gesunde Produkte wie Müslis und Frühstückflocken fanden Forscher im Schnitt 22,5 Gramm Zucker. Damit bekommt ein Kind beim Frühstück schon mehr Zucker, als die WHO für einen ganzen Tag für Erwachsene empfiehlt.